Bilderbuch Ruppichteroth

Werden und Wachsen 3 - Die Jubilare

Als die beiden Brüder  Walter und Otto Willach am 1. Mai 1911 als Arbeitslehrlinge in den damals etwa 60 Mann Belegschaft umfassenden Betrieb ihres Vaters eintraten, lag eine glückliche Kindheit hinter ihnen. Es war eine Kindheit, über der als strahlendster Stern die Gestalt der Mutter stand, einer Frau voll warmer Herzensgüte, der Zeit ihres Lebens das Geben seliger dünkte als das Nehmen. In kritischen Zeiten der Firmenentwicklung konnte sie wie selbstverständlich in den Betrieb gehen und dort mit Hand anlegen. Das Wohlzutun und Mitzuteilen, wie es in dem schönen Bibelwort gefordert wird, war ihr ein wahrhaft christliches Anliegen und wurde von ihr ausgeübt, ohne nach der konfessionellen Bindung der Betreuten zu fragen. Und als sie, 87jährig, im Jahre 1957 nach einem wahrhaft erfüllten Leben aus der Zeitlichkeit abberufen und zu Grabe getragen wurde, da gaben sowohl die protestantische als auch die katholische Kirche Ruppichteroths ihrem letzten Gang in dankbarer Würdigung gemeinsam das Geläute.
Neben der Mutter stand der Vater, viel unterwegs, aber voll sachlicher Gerechtigkeit und willens, den Söhnen eine gesicherte Zukunft aufzubauen und ihnen alle Grundlagen mitzugeben, die sie für die Meisterung dieser ihrer Zukunft benötigten. Und noch ein Drittes gab ihrer Kindheit Glanz und Fülle - das Heranwachsen in einer mit zahllosen Schönheiten bedachten Natur. Dazu gehörte das unbehinderte Umherstreifen durch Wälder und Bäche des Bröltals nicht weniger als das bisweilen als recht störend empfundene Sitzen auf der Bank der kleinen Dorfschule. Schliesslich und endlich gehörten zu den Jahren der unbekümmerten Kindheit die täglichen Schulfahrten mit dem vorsintflutlichen Gefährt des Hauderers (Anm.: ein Hauderer besaß ein Fuhrunternehmen mit Kutschen zum Transport von Waren oder Personen) aus Waldbröl, das sie nach überstandenen Volksschuljahren in Ermangelung anderer Verkehrsmöglichkeiten allmorgendlich gegen sechs Uhr zum Besuch der Höheren Schule nach Waldbröl brachte. Im Schnee und Eis des Winters mag es nicht immer ein reines Vergnügen gewesen sein, heute gehört cs zu den heitersten Jugenderinnerungen der Jubilare.

Als erster der beiden Brüder ist Herr Walter Willach geboren, am 17. Juli 1894. Nach kaum abgeschlossenen Lehrjahren im aufstrebenden Betrieb des Vaters meldete er sich zu Beginn des 1. Weltkrieges freiwillig zu den Waffen und blieb Soldat bis zum Dezember des Jahres 1918. In den folgenden Aufbaujahren widmete er sich vornehmlich dem so wichtigen Aussendienst. Auf Reisen durch Deutschland und das benachbarte Ausland versuchte er mit besten Erfolgen die durch den Krieg abgerissenen Fäden zu alten Geschäftsfreunden neu zu knüpfen und weitere Abnehmer für die wieder anlaufende Produktion zu gewinnen.

Im Jahr 1926 ging die bis dahin bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Firmengründer Hugo Willach und seinem Bruder Otto Willach zu Ende. Herr Hugo Willach, fast das ganze Jahr über auf Reisen und um den Absatz bemüht, hattette die Abwicklung der von ihm getätigten Geschäfte gänzlich den Intentionen seines Bruders überlassen. Da die Intentionen seines brüderlichen Kompagnons sich immer stärker von seinen eigenen Vorstellungen unterschieden, kam man überein, die bisherige Zusammenarbeit aufzugeben. ... Mit der Abtretung des eingeführten Firmennamens sowie aller Forderungen und Verpflichtungen ergab sich für Herrn Hugo Willach und seine beiden Söhne ein nahezu völliger Neubeginn.
Als Herr Walter Willach im Februar 1926 in die Geschäftsleitung berufen wurde, verblieb er in der Hauptsache im Aussendienst und verbrachte nach wie vor die meiste Zeit auf Geschäftsreisen im In- und Auslande. Nach zehnjähriger Reisetätigkeit zwang ihn jedoch die Ausweitung des Betriebes, wieder sesshafter zu werden und sich den eigentlichen Aufgaben der Geschäftsleitung zuzuwenden. Dann brach der 2. Weltkrieg aus zu dessen Beginn der zweite der Brüder, Herr Otto Willach als ? zur Wehrmacht einberufen wurde. Nun ergab sich für den Ältesten die schwere Aufgabe, gemeinsam mit dem inzwischen 80jährigen Firmengründer und Seniorchef das Unternehmen durch die Fährnisse und Schwierigkeiten der Kriegsjahre zu führen. 

Von dem bewegten Auf und Ab jener Jahre wird noch an anderer Stelle zu berichten sein.

Der zweite Chefjubilar,Herr Otto Willach, um gut ein Jahr jünger als sein Bruder Walter, erblickte am 26. Dezember 1895 das Licht der Welt. Wie sein älterer Bruder besuchte er die Volksschule in Ruppichteroth und das Hollenberg Gymnasium in Waldbröl, um nach Erreichung des Einjährigen am 1. Mai 1911 seine dreijährige Lehrzeit im väterlichen Betrieb zu beginnen. Kurz nach Abschluss dieser Lehrzeit brach der 1. Weltkrieg aus, in dessen ersten Tagen Herr Otto Willach als Kriegsfreiwilliger bei der Feldartillerie eintrat. Anfang 1915 rückte er mit seiner Truppe ins Feld, wurde als 21jähriger zum Leutnant befördert und übernahm in dieser Eigenschaft eine der ersten modernen Flakbatterien an der Westfront. Als Oberleutnant kehrte er mit Kriegsende nach Ruppichteroth zurück und widmete sich hier mit allen Kräften dem Wiederaufbau des väterlichen Betriebes. Gleich zu Beginn des 2. Weltkrieges als Batteriechef zur Flak eingezogen, nahm Herr Otto Willach als Truppenoffizier und später als Stabsoffizier an zahlreichen Kämpfen teil.

Neben seiner Tätigkeit als Firmenchef hat Herr Otto Willach stets auch bereitwillig Aufgaben der Öffentlichkeit übernommen. So wirkte er Jahre hindurch in den Gemeinde- und Amtsvertretungen und ist noch heute im Beirat der Industrie- urd Handelskammer sowie in führenden Stellungen in weiteren Gremien des öffentlichen Lebens tätig.
Fünf Jahrzehnte sind seit jenem 1. Mai 1911 vergangen, an dem die beiden Brüder Walter und Otto Willach ihre Arbeit im Werk ihres Vaters aufnahmen. Schon seit Kindertagen unzertrennlich, haben sie gemeinsam und in Harmonie das Erbe des Vaters ausgebaut und als Huwil-Verke zur heutigen internationalen Geltung geführt, wahrhaft ein überzeugender Grund, ihres 50jährigen einträchtigen Wirkens zum Besten des Hauses mit herzlichem Dank und verehrungsvoller Anerkennung zu gedenken.
Mit gleichem Dank und gleicher Anerkennung sei in diesen Zusammenhang auch der Lebensgefährtinnen beider Jubilare gedacht: Frau Dora Willach, geb. Heise, aus Bentheim, der Gattin Walter Willachs, und Frau Maria Willach , geb. Gerwe, aus Köln, der Gattin Otto Willachs. In bewährter Freundschaft eng miteinander verbunden und am Ergehen des Unternehmens innigen Anteil nehmend,ist es mit ein grosses Verdienst ihres fraulichen Wirkens und  ihrer fraulichen Fürsorge, dass in den Huwilwerken jenes beispielhafte Betriebsklima heimisch geworden ist, welches allen Personen gehört und zu Mitgliedern einer einzigen und grossen Familie - eben der Huwil-Familie - macht und sie entsprechend zählen ?? und handeln lässt.

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