
Fritz Willach wurde am 2. März 1922 in Köln geboren.
Die Eltern waren Walter Willach und seine Frau Helene, geborene Wassermann.
Die ersten Lebensjahre verbrachte der kleine Fritz in Köln, Aachener Straße 90, gegenüber dem Weiher an der Aachener Straße. Sein Vater Walter war evangelisch, die Mutter katholisch. Der kleine Fritz sollte also evangelisch getauft werden und auch aufwachsen. Das sah die Großmutter Wassermann jedoch anders und hat kurz nach der Geburt das Kind zu ihrem katholischen Pfarrer gebracht und erst mal katholisch taufen lassen, heimlich ohne Wissen des Vaters.
Deswegen ist Fritz Willach zweimal getauft worden, nämlich auch noch in der evangelischen Kirche in Ruppichteroth. Die Eltern Walter und Helene haben sich nämlich im Laufe der 20er Jahre auseinandergelebt und die Ehe wurde circa 1928 geschieden.
Vater Walter nahm seinen kleinen Sohn mit nach Ruppichteroth, wo er dann auch zur Volksschule gegangen ist und in der Villa Daheim an der Brölstraße gewohnt hat, damals das Zuhause von Großvater Hugo Willach, Fabrikant und Inhaber der Firma Hugo Willach und Söhne.
Vater Walter hat dann wieder geheiratet: Dorothea Heise, genannt Dora. Somit hatte Fritz Willach wieder ein Familienleben. Im Jahre 1933 bekam die Familie Zuwachs durch Horst Willach, seinem Halbbruder.
Mutter Helene hatte inzwischen auch wieder geheiratet und zwar einen Historiker, Hans Rosenberg, der in Köln studiert hatte und als Werkstudent in der Firma Wassermann gearbeitet hatte, damals eines der größten Bauunternehmen in Köln und Umgebung.
Mit der Machtergreifung durch die Nazis im Januar 1933 musste der gerade habilitierte Hans Rosenberg (Anm.: s. auch: Prof. Hans Rosenberg), angestellt am Kaiser Wilhelm Institut in Berlin, seine Forschung einstellen, da er als so genannter Halbjude nicht mehr arbeiten durfte. Er ging dann mit seiner Frau Helene zunächst ins Exil nach England und dann in die USA nach New York City. Das ist wichtig zu erklären, weil nach dem Krieg der Kontakt von Fitz zu seiner Mutter wieder sehr eng wurde und er sie schon 1948 in den USA besuchen konnte. Dazu aber später mehr.
Der heranwachsende Fritz war mit der Machtergreifung durch die Nazis, wie so viele Kinder im Alter von zehn und aufwärts eingebunden in die nationalsozialistische Erziehung durch die Hitlerjugend, die er mit Begeisterung durchlebt hat.Wie so viele Jugendliche, die durch die Diktatur und gleichgeschaltete Medien und schulische Erziehung beeinflusst wurden, war er durchaus ein Anhänger des neuen deutschen Weges und fuhr 1936 als 14-jähriger begeistert mit seiner aus England angereisten Mutter nach Berlin zu den Olympischen Spielen. Mit 16 schloss er seine schulische Laufbahn mit der zehnten Klasse, der so genannten Mittleren Reife, am Hollenberg Gymnasium in Waldbröl ab und machte eine Ausbildung zum Kaufmannsgehilfemit Abschluss Kaufmannsgehilfenbrief (heute: Industriekaufmann) in der Firma Hugo Willach und Söhne. Nach Abschluss der Lehre hat er dann noch die höhere Handelsschule abgeschlossen. Im Februar1940 ging es dann sofort zum Reichsarbeitsdienst und am 1. Januar zur Einberufung als Wehrpflichtiger zur Wehrmacht nach Köln-Lindenthal, wo er ab Januar 1940 zum Funker ausgebildet wurde.
Sofort nach der Grundausbildung ging es an die Ostfront.
Fritz Willach hat seine gesamte Wehrdienst Zeit im Russlandfeldzug verbracht, als Funker immer kurz hinter der Hauptkampflinie als Nachrichtenleitstelle zu den Kommandeuren. Er selber hat mal gesagt, dass er den Krieg überlebt hat, sei ein überaus großes Glück gewesen. Von seinen über 185 Kameraden in der Grundausbildung hätten nur 8 überlebt. Weil seine Mutter Helene in den USA lebte, hatte er ab Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg nach Pearl Harbor (1941) keinerlei Kontakt zu ihr. Weiterhin galt er als wenig zuverlässig, weil die Mutter ja sozusagen im Feindesland lebte. Deswegen ist er auch bis April 1945 nicht zu mehr als zum Obergefreiten befördert worden.
Am 20. April 1945 wird er dann 19 Tage vor Kriegsende noch zum Stabsunteroffizier befördert. Da befand sich aber schon die Wehrmacht in Auflösung.
Seine Einheit hat sich dann noch nach Westen durchgeschlagen zur Elbe und sich dort amerikanischen Truppen ergeben. Man wollte unter keinen Umständen in russische Gefangenschaft kommen.
Da sich aber das Terrain in Sachsen befand und sich die alliierten Truppen auf ein Besatzungsregime geeinigt hatten, wurden die Gefangeneneinheiten an das russische Militär übergeben. Nach seiner eigenen Darstellung hat er in der russischen Gefangenschaft im Lager in der Schreibstube gearbeitet. Er hatte eine gute Handschrift nach seiner Ausbildung als Graveur. Hier konnte er seine Position ausnutzen und hat sich mit einer Handvoll Kameraden aus dem Rheinland auf die Liste der an Tuberkulose erkrankten Gefangenen gesetzt. Die Russen wollten jedoch auf keinen Fall diese ansteckenden Krankheiten im Lager haben, und somit wurden diese Gefangenen entlassen und ihrem Schicksal überlassen. Mit seinen Kameraden ist dann Fritz über 1000 km nach Hause gelaufen. Sie hatten ja Entlassungspapiere und konnten sich so Monate lang auf eine entbehrungsreiche Odyssee durch ein durch Krieg zerstörtes Deutschland machen.
Im Herbst 1945 ist er halb verhungert, noch 108 Pfund wiegend in Ruppichteroth angekommen. Die meisten seiner Kameraden in russischer Gefangenschaft sind umgekommen und nur ganz wenige, sehr spät, teilweise erst 1955 wieder in Deutschland gewesen.
Er hat, wie so viele, nicht viel über den Krieg erzählt. Man kann sich gar nicht vorstellen, was diese jungen Männer alles erleben mussten. Er war seinem Herrgott auf jeden Fall dankbar, die Zeit, ohne große Wunden, Verletzungen und mit klarem Verstand überstanden zu haben. Im Scherz sagte er, dass er vielleicht durch seine zwei Taufen einen besonderen Schutz hatte.
Wieder zu Kräften gekommen, arbeitete er in der Firma Hugo Willach und Söhne in der Nachkriegszeit. Die Fertigungsstätten waren ohne größere Kriegsschäden vorhanden und dann befand HUWIL sich ja in der englischen Besatzungszone. Die Wiederaufnahme der Produktion war sicherlich ein Hindernislauf wegen Materialversorgung, Bezahlung der Mitarbeiter, Vertrieb und Logistik im kriegszerstörten Deutschland.
Otto Willach, 7.1.2025