Zum Ende des Schuljahres wurden die Klassenverbände wieder einmal aufgelöst, um einem freieren Forschen und Lernen Raum zu geben. Dabei machte sich eine Gruppe von fünfzehn Schülerinnen unter der Leitung ihrer Lehrkräfte auf die Suche nach Fakten rund um das Vinzenzhaus.
Als Referenten luden die Schülerinnen und ihre Lehrerinnen hierzu an den verschiedenen Tagen Herrn Hartmut Benz, Herrn Wolfgang Eilmes, Frau Christina Ottersbach, Herrn Knecht und Gräfin von Nesselrode ein. Sr. Michaela ergänzte die Ausführungen durch manche Begebenheiten aus den Anfangstagen der Schule und des Internats.
Am Freitag, den 10. Juli 2026, teilte der ehemalige Lehrer, Schönenberger Archivar und begeisterte Hobbyhistoriker, Herr Eilmes, der selbst im Vinzenzhaus geboren wurde, seine ausgiebigen Kenntnisse mit der kleinen Forschertruppe. Er führte zunächst in einem Vortrag durch die jüngere Geschichte des Ortes Schönenberg und erörterte die Einbettung des Vinzenzhauses in die Gemeinde Ruppichteroth. Dann zeigte er in einem lebhaften Erkundungsgang die weitere Ortsentwicklung rund um den ehemaligen Bahnhof der Bröltalbahn auf, wo auch die renommierte „Futterkrippe“ ihren Anfang nahm. Schließlich geleitete er die Gruppe durch die sehenswerten Ausstellungsorte des Rathauses, welches einen Teil des Gemeindearchivs birgt.
Anekdoten zum Akkordeonspieler Schäng, zum Gründer der Futterkrippe Günter Schmitz und zum Motorsportclub heiterten immer wieder die umfangreiche Faktensammlung auf. Nicht zuletzt durch seine Kontakte zu den lokalen Schankwirten weiß Herr Eilmes ziemlich viel über die Entwicklung des Gewerbes der Gemeinde Ruppichteroth. Als Spezialist für die Geschichte der Juden rund ums Bröltal kennt er auch die finsteren Seiten der kommunalen Gefängniszellen. Ihm sei von Herzen Dank gesagt für seine unermüdlichen Erklärungen und sein Wissen, das er großzügig an die jungen Historikerinnen weitergab, und für den Kontakt zu Zeitzeugen, den er vermittelte.
Der im Bröltal lebende Historiker Hartmut Benz, ein Spezialist für die Ortsgeschichte und Adelsforschung, erschloss der Gruppe die Kunst der Auswertung alter Quellen: Dabei legte er aus einschlägigen Belegen die Geschichte der Kirche St. Maria Magdalena und deren Verbindung zu den Herren von Herrenbröl dar. Er ließ die Burgruine in ihrer alten Größe wieder aufleben und würdigte die Verdienste der dort ansässigen Familien, durch deren Vermittlung katholische Priester in Schönenberg heimisch wurden. In einer meisterhaften Geschichtserzählung schlug er den Bogen über die von Napoleon I. bewirkten Veränderungen bis hin zur eigenständigen Pfarrgemeinde Schönenberg und den Ordensschwestern, die ab 1900 im Vinzenzhaus segensreich wirkten. Besonderer Dank gilt ihm nicht nur für seine fachkundige Führung, sondern auch für den Humor, mit dem er den jüngsten Zuhörerinnen die Geschichte des Ortes nahebrachte. Dank sei zudem der Küsterin, Frau Veronika Stommel, gesagt für die Zeit, die sie der Gruppe widmete.
Der letzte Projekttag war der Durchführung von Zeitzeugeninterviews gewidmet, die alle Beteiligten in Atem hielten und den lebendigen Zusammenhang zwischen gestern und heute herstellten: Gräfin von Nesselrode übermittelte tiefe Einblicke in die verantwortungsvolle Aufgabe ihrer Familie im Bröltal. Frau Ottersbach und Herr Knecht konnten spannende Fakten zum Übergang von den Vinzentinerinnen auf das St.-Theresien-Gymnasium berichten. Sr. Michaela gab manche Begebenheit aus den Anfängen der Schule und des Internats zum Besten. Herzlicher Dank gilt sowohl den engagierten Zeitzeuginnen, als auch den eifrigen Zuhörerinnen.
Die Geschichte des Vinzenzhauses wurde schließlich in einem Zeitstrahl und einer motivierten Präsentation der Schülerinnen festgehalten, welche einige der besten Anekdoten wiedergaben und somit bewiesen, dass auch junge Historikerinnen sich dank fachkundiger Unterstützung einen erstaunlich guten Überblick verschaffen und großen Spaß am historischen Lernen haben können.
Text: Schwester Marie-Angelico
Ergänzung: Eine Kopie der 31-seitigen Power-Point-Päsentation wurde von der Schule dem Gemeindearchiv zur Verfügung gestellt und kann dort eingesehen werden. Vielen Dank hierfür.
W. Eilmes