MSC Schönenberg Geschichte Teil 3

Am 4.5. 1959 berichtet die Siegkreis-Rundschau:

 „Christophorusfahrt war schöner Erfolg – Trotz des schlechten Wetters nahmen 400 Fahrzeugbesitzer teil."

„Man hätte dem Club für Motorsport im ADAC  in  Schönenberg ein besseres Wetter wünschen mögen für die Christophorusfahrt. Aber auch bei dem verhältnismäßig kühlen Wetter, das mitunter in Nieselregen überging, hatten sich die Besitzer von rund 400 Personen- und Lastwagen, Treckern, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern eingefunden, um vom Schönenberger Sportplatz aus die Fahrt durch den maigrünen Wald zu starten. … Der Vorsitzende des Schönenberger Clubs für Motorsport, Dr. Helldobler, hatte die Teilnehmer auf dem Schönenberger Sportplatz begrüßt und ihnen noch einmal den Sinn dieser Fahrt klargemacht. Aus allen Teilen des Rheinlandes und natürlich auch aus dem Siegkreis hatten sich 400 Teilnehmer eingefunden.

Sie ging durch schön geschmückte Ortschaften von Schönenberg aus nach Hänscheid und Kuchem, durch das Derenbachtal nach Winterscheid und zurück nach Schönenberg.Pfarrer Strott erwartete die Teilnehmer an der alten Kapelle in Kuchem und erteilte ihnen den Segen. … Das ADAC-Orchester Quarz veranstaltete mehrere Platzkonzerte, während das Schönenberger Kirchenorchester unter der Leitung von Hermann Schmitt bei der Segnung der Fahrzeuge in Kuchem und am Abend auf dem Sportplatz in Schönenberg spielte. …“
(Siegkreis-Rundschau v. 4.5.1959).
 

Es ist derzeit nicht bekannt, ob in den Jahren 1954 – 59 weitere Motorsportveranstaltungen stattfanden. In den Archiven konnten hierzu keine Unterlagen gefunden werden. Der Verein existierte aber weiterhin, bis 1961 auch unter der ursprünglichen  Bezeichnung „Club für Motorsport im ADAC Schönenberg“, verlegte seine Aktivitäten aber auf einen ganz anderen Bereich: das Sportschießen in der neu errichteten Schießsportanlage in Schönenberg, von manchen Schönenberger auch als „ADAC-Schießstand“ bezeichnet.

Einige Mitglieder, die sich bisher für den Motorsport engagiert hatten, machten auch bei der neuen sportlichen Ausrichtung aktiv mit, z. B.

Peter Steimel aus Scheid und Albert Schmitt aus Schönenberg, die beide später im Vorstand aktiv wurden.

Schon vor der offensichtlich letzten Motorsportaktivität (Christophorusfahrt am 1.5.1959)  hat der Club am 14.2.1959 einen Pachtvertrag über ein Grundstück an der Straße nach Hänscheid, mit Herrn Johann Herchenbach (Geschäftsführer der Kalkwerke Schönenberg) zwecks Errichtung eines Schießstandes abgeschlossen. Am 7.11.1960  wurde der Bauantrag hierzu bei der Gemeindeverwaltung eingereicht, der am 17.8.1964 (also 4 Jahre später) vom  Kreisbauamt positiv beschieden wurde. Nach weiteren 3 Jahren konnte der Club im Herbst 1967 (Rohbauabnahme am 25.10.1967) Richtfest feiern und im Jahre 1968 mit dem Schießsport beginnen.

Ehemaliges Vereinshaus des „Club für Motorsport im ADAC Schönenberg“ am Rande der Schießsportanlage im ehemaligen Kalksteinbruch.Hier: Aufnahme von 2014. Foto: Wolfgang Eilmes.

Durch Beschluss der Generalversammlung vom 3.6.1961 wurde der Vereinsname zu „Automobil und Sportclub (ASC) im ADAC, Schönenberg“ geändert, so dass ab sofort auch die nicht-motorsportlichen  Aktivitäten im Vereinsnamen ihre Berücksichtigung fanden. Offenbar plante man aber auch weitere Aktivitäten im Bereich Automobilsport, die aber tatsächlich wohl nicht mehr durchgeführt wurden. Auf der Versammlung vom 3.6.1961 wurde folgender neue Vorstand gewählt:

Josef Müller, Amtsbürgermeister, 1. Vorsitzender
Albert Schmitt, Kfz-Monteur, stellv. Vorsitzender

Durch Beschluss der Mitgliederversammlung vom 20.4.1990 hat der Verein erneut seinen Namen geändert, diesmal zu „Club für jagdliches und sportliches Schießen e. V.“, und letztmalig im Jahre 2002 zu „Club für jagdliches und sportliches Schießen Ruppichteroth e. V.“. Dieser Club ist unter seinem 1. Vorsitzenden Uwe Schiefen mit derzeit 21 Mitgliedern auch heute noch aktiv (Stand 2012), hat allerdings 1999 seine Schießanlage aus Schönenberg nach Herrnstein verlegt hat. Hierüber findet man auf der Internetseite des Vereins die folgenden Informationen:

„Der Verein hatte früher einen Schiessstand in einem Steinbruch in Schönenberg. Nach langwierigen Verhandlungen hatte sich der Eigentümer entschlossen, das Gelände für Naturschutzzwecke an den Regierungspräsidenten von Köln zu verkaufen. Der Kaufpreis überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Vereins in erheblichem Maße. Außerdem war der Schiessbetrieb wegen der Nähe zum Ort Schönenberg problematisch geworden. … Der neue Schiessstand wurde im Oktober 1999 in Betrieb genommen.“

Tatsächlich wurde der 1951 gegründete „Automobil- und Sportclub (ASC) im ADAC Schönenberg“  also nie aufgelöst, sondern besteht bis heute unter anderem Namen und mit geänderter Zweckbestimmung fort.

In neuerer Zeit wurde  im Jahre 2006 die Erinnerung an die früheren Motorsportaktivitäten in Schönenberg belebt. Im Jahresheft des Bürgervereins Ruppichteroth 2005/06 Bürgervereins ist auf Seite 3 ein Testamentsauszug der Witwe des verstorbenen Schönenberger Arztes Dr. med. Hermann Helldobler zu lesen: 

„Die große Christophorusfigur aus Holz von Wilhelm Math, Oberstdorf, erhält die Gemeinde Ruppichteroth, Brölstraße, 53809 Ruppichteroth-Schönenberg, mit der Auflage, diese im Rathaus in Schönenberg aufzustellen.“

Dem aufmerksamen Leser dieser Darstellung der Geschichte des MSC Schönenberg stellt sich bei einer solch großzügigen Geste jedoch vielleicht auch die bisher unbeantwortete Frage:

„Wie kann jemand, der gar nicht der Eigentümer einer Sache ist, diese testamentarisch einer Gemeinde vermachen?"

Diese imposante ca. 1,20 m hohe Statue  steht z. Zt. (Information von 2012) im Zimmer des Bürgermeisters Mario Loskill, der freundlicherweise die Genehmigung für die Aufnahme der Statue gab.

 Foto : Wolfgang Eilmes
© www.bilderbuch-ruppichteroth.de – Wolfgang Eilmes

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Quellen:
Unterlagen (Originale, Kopien, Bilder)  des früheren MSC Schönenberg, die von Herrn Günter Schmitz zur Einsicht zur  Verfügung gestellt wurden. 
Günter Schmitz hat in mehreren Gesprächen detailliert über die damaligen Veranstaltungen (1951 – 59)  berichtet, die er als junger Mann und zum Teil als Helfer miterlebte. Weiterhin erinnert sich Günter Schmitz noch sehr gut an zahlreiche Details, die er als Sohn des Vereinswirtes im elterlichen Gasthaus mitbekam.  
Ausgaben der Siegkreis-Rundschau und  des Kölner Stadtanzeiger der Jahre 1950 – 1960, Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Kreishaus Siegburg  
Archiv der Gemeinde Ruppichteroth.Vielen Dank an Herrn Hartmut Benz für die Hilfe.
Herbert Hohn , Automobil- und Sportclub Schönenberg , Ruppichteroth im Spiegel der Zeit,  Hrsg. Harry Hendriks, 1988, S. 202 – 204 .
Karl Schröder, Christophorusstatue, Jahresheft 2005/06 des Bürgervereins Ruppichteroth, Karl Schröder S. 3-5
Karl Schröder,„Die Zivilgemeinde Ruppichteroth 1808 – 2006 – 100 Jahre Rathaus in  Schönenberg",2006,  S. 217
Vereinsregister beim Amtsgericht Siegburg
Internetseite des „Club für jagdliches und sportliches Schießen e. V.“ (www.cjss-ruppichteroth.de)