Club für Motorsport im ADAC Schönenberg

Thema des Monats

Unter diesem Menüpunkt werde ich in Zukunft einzelne Themen behandeln, für die ich  – ähnlich wie bei einigen Themen zur „Person des Monats“ - selber recherchieren und Ergebnisse zusammentragen werde und dann für das Internet aufbereiten werde.  Die Recherchen hierfür können Wochen oder Monate dauern, weshalb die Veröffentlichungen  in unregelmäßigen Abständen erfolgen werden. Gerne können Sie mir ein Thema nennen, das Sie für untersuchenswert oder  interessant halten.   
Das erste Thema, für das ich etwa 1 Jahr recherchiert habe, ist der eigentliche Start dieser Internetseite, die historisch-geographische Untersuchung

„Gewerbeentwicklung in Ruppichteroth 1950 – 2010“. 

Mit dem heutigen Thema möchte ich diese Reihe fortsetzen. Herr Günter Schmitz fragte im September 2011  bei mir an, ob ich Interesse hätte, seine Bilder und Dokumente des früheren „Club für Motorsport im ADAC Schönenberg“ zu sichten, zu ordnen und für das Internet aufzubereiten. Schon vor Jahren hatte er die Idee der Wiederbelebung der früheren „Rheinischen Christophorusfahrt“ angesprochen, die in diesem Jahr am 19./20.5.2012 umgesetzt wird (www.christophorusfahrt.de). 

Seit  September 2011  habe ich dann zahlreiche Texte gelesen, Bilder zugeordnet, Archive besucht und Gespräche geführt.  Das Ergebnis möchte ich Ihnen hier und heute vorstellen. Es ist mir bekannt, dass es zu Einzelpunkten auch andere Darstellungen gibt. Ich habe mich bemüht, die hier beschriebenen Fakten und Entwicklungen anhand von Zeitungsausschnitten, Dokumenten, Archivmaterialien und Fotos zu belegen.

Sollte jemand andere oder weitere Informationen zum Thema zur Verfügung stellen wollen, lassen Sie mich dies wissen. Anders als in einem Buch kann ich solche Informationen jederzeit auf der  Internetseite nachtragen. Insbesondere für  die Jahre 1954 – 1958 gibt es bisher leider keinerlei schriftliche Belege für die Aktivitäten des Vereins. Vielleicht hat ja jemand Informationen hierüber.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und vielleicht einige neue Erkenntnisse zum  „Club für Motorsport im ADAC, Schönenberg über Hennef-Sieg“, einem Verein, der unter anderem Namen, anderer Zielsetzung und an anderer Stelle heute noch besteht und aktiv ist.

„Club für Motorsport im ADAC, Schönenberg über Hennef-Sieg“ ist die im Vereinsregister beim Amtsgericht Siegburg eingetragene offizielle Bezeichnung. Bei der Bevölkerung sprach man jedoch meist vom MSC Schönenberg, weshalb beide Bezeichnungen im Folgenden benutzt werden.

Stand April 2012.

Ergänzt und aktualisiert im Feb. 2014.

Die Geschichte des „Club für Motorsport im ADAC, Schönenberg über Hennef Sieg“ in Kurzfassung:










06.07.1951

Gründung des Vereins „Club für Motorsport im ADAC, Schönenberg über Hennef Sieg“.











 





14.10.1951

1. Motorradrennen „Schönenberger Kurs"

01.06.1952

2. Motorradrennen „Schönenberger Kurs“

01.05.1953

1. Rheinische Christophorusfahrt 

24.05.1953 

3. Motorradrennen „Schönenberger Kurs“

01.05.1959             

2. Christophorusfahrt

14.02.1959

Pachtvertrag des Clubs für Motorsport mit Herrn Johann Herchenbach (Geschäftsführer der Schönenberger Kalkwerke) über das Grundstück  an der Straße nach Hänscheid , Zweck:  Errichtung eines Schießstandes

7.11.1960

Einreichung des Bauantrages

17.08.1964

Baugenehmigung

25.10.1967

Rohbauabnahme des Schießstandes in Schönenberg. Danach: neue im  Verein praktizierte Sportart:  Sportschießen

03.06.1961

Änderung des Vereinsnamens  zu „Automobil und Sportclub (ASC) im ADAC, Schönenberg“

31.12.1989

Beendigung des Pachtvertrages für das Gelände des Schießstandes durch denEigentümer 

20.04.1991

Änderung des Vereinsnamens und des Zweckes zu „Club für jagdliches und sportliches Schießen e. V.", Sitz: Schönenberg

31.08.2002

Änderung des Vereinsnamens zu „Club für jagdliches und sportliches Schießen Ruppichteroth e. V.“,dieser Verein ist heute noch aktiv

oben: Der Originalwimpel des Clubs für Motorsport im ADAC Schönenberg aus den 50er Jahren. Heute im Besitz des Clubs für jagliches und sportliches Schießen Ruppichteroth.
Foto: Wolfgang Eilmes

Die Geschichte des Vereins:

Vereinsgründung:

Zu Beginn der 50er Jahre beschlossen einige motorsport-begeisterte Schönenberger Bürger  in der allgemeinen Aufbruchsstimmung nach dem 2. Weltkrieg einen Motorsportclub ins Leben zu rufen und Motorsportrennen zu organisieren. Man  gründete den „Club für Motorsport im ADAC Schönenberg“. Namentlich sind von diesen Gründungsmitgliedern nur noch die Personen bekannt, die die Satzung des Vereins am 6.Juli 1951 beschlossen und den Verein am 6.12.1951 beim Amtsgericht Siegburg eintragen ließen:

  • Dr. Helldobler, Arzt, 1. Vorsitzender
  • Josef Müller, Hauptbuchhalter, stellv. Vorsitzender
  • Fritz Stubel, Architekt in Schönenberg, Schatzmeister

    Diese 3 Personen führten den Verein bis 1961.

Bis zum Gründungszeitpunkt hatte der Club als eine Abteilung im VfL Schönenberg existiert. Sportleiter für den Motorsport im  VfL war Albert Schmitt. Im Rahmen des jährlich stattfindenden Pfingstsportfestes des VfL hatten in den vergangenen Jahren motorsportliche Aktivitäten wie z. B. Geschicklichkeitsturniere auf dem Sportplatz stattgefunden.

Große Pläne in Schönenberg:

  • Gründung einer Reitabteilung

  • Bau eines neuen Sportplatzes neben der heutigen Grundschule

  • Anlage von Tennisplätzen auf dem bisherigen Sportplatz (am Weg nach Scheid)

Offenbar parallel zu den Vorbereitungen der Vereinsgründung des MSC plante man weitere Sportarten in Schönenberg zu etablieren, wie aus einem Zeitungsbericht hervorgeht. Und um die Schönenberger an die geplanten Reitsport-Aktivitäten heranzuführen, hatte man - s. Artikel oben - Vorführungen des Reitstalles Hennef-Zissendorf ins Programm des Pfingstsportfestes aufgenommen.


Umgehend nach der Vereinsgründung ging man  dann jedoch an die Planungen für eine erste große Rennsportveranstaltung, die am 14.10.1951 unter der Bezeichnung  „Schönenberger Kurs für Motorräder“ als „Kurzstrecken-Geländerennen“ rund um den früheren Sportplatz im Saurenbachtal stattfand.
Man konnte die damalige Begeisterung für Neues bei den Schönenberger Sportinteressierten nutzen, um in Eigeninitiative eine Strecke herzurichten: So berichtet ein Presseartikel geradezu begeistert von den Besonderheiten der Schönenberger Strecke: „Seit Wochen arbeiten freiwillige Kräfte des Clubs Hand in Hand mit den örtlichen Baufirmen an der Kursstrecke, die den offiziellen Namen „Schönenberger Kurs“ trägt. Die idyllische Lage – von waldigen Höhen umgeben – dürfte den Anspruch auf Einmaligkeit im Kreisgebiet erheben“. 

 

Foto: Bei der Streckenvorbereitung: v. links: Albert Schmitt, Hans Ottersbach, unbek., Günter Schmitz, Werner Müller
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben: Günter Schmitz. Vielen Dank für die Überlassung.

Verlauf der Rundstrecke:

Start war an der südöstlichen Sportplatzecke, dann an der Ostseite des Sportplatzes entlang bis zur nordöstlichen Ecke des Platzes,  links hinunter ins Saurenbachtal und von dort wieder in einem schwierigen Steilstück hinter der nordwestlichen Platzecke hoch– an dieser Stelle machten die Fahrer mit ihren Maschinen teilweise mehrere Meter weite Sprünge durch die Luft -  und wieder steil ins Tal zurück, über den Bach auf die Talstraße, dann links über die Brücke in Richtung Scheidt und wieder zurück auf den Sportplatz.

Das 1. Rennen als „Schönenberger Kurs“ – 14.10.1951

Schon vor 1951 – wahrscheinlich in Regie des Vfl Schönenberg -  wurde mindestens eine kleinere Motorsportveranstaltung durchgeführt, denn am 16.10.1951 berichtet die Siegkreis-Rundschau unter dem Titel „Motorengeheul in Schönenberg“, dass die Motorsport-Veranstaltung am 14.10.1951 zum zweiten Male stattfand. Das Rennen von 1951 war  daher  die  erste größere und erste offizielle Veranstaltung nach der Vereinsgründung.

Das Rennen unter dem Titel  „Schönenberger Kurs“ war ein  „Kurzstrecken-Geländerennen  mit Geschicklichkeitsturnier (für serienmäßige Motorräder ohne Beiwagen)“. Die Strecke bestand aus einem 500 m langen Rundkurs mit Hindernissen. Als „Zweck der Fahrt“ nennt die damalige Ausschreibung: „Der Schönenberger Kurs für Motorräder dient zur Ertüchtigung der Fahrer und Erprobung der Motorräder“. Zugelassen waren Motorräder bis 500 ccm, das Meldegeld betrug 10.- DM.
Vorgeschrieben waren Sturzhelm und Lederhandschuhe. Offenbar waren Proteste gegen die Entscheidungen der Fahrtleitung auch zur damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches. Die Ausschreibung enthält einen Passus, der die Protestgebühr  auf 30.- DM festsetzte, also den dreifachen Betrag des Meldegeldes.  

Eintritt: 1.- DM pro Person.

Start und Ziel auf dem Sportplatz Schönenberg
Lokalmatador Friedel Hänscheid

Ergebnisse des Motorradrennens „Schönenberger Kurs 1951“ in den verschiedenen Klassen:
Motorfahrräder (=Mofas)- 100 ccm:

  1. Mathias Honrath auf NSU
  2. Günter Kloos aus Kuchem auf Wanderer

Motorräder: - 100ccm

  1. Kurt Steinhausen aus Niederbierenbach auf NSU-Fox

                    -  200 ccm

  1. H. Krämer aus Fusshollen auf DKW

     3.   Karl Mücher aus Litterscheid  auf DKW

                     -  350 ccm
     1. Karl Mücher aus Litterscheid auf NSU mit Streckenrekord von 12,07 Minuten für die 20 Runden

Ehrung von Hans Herchenbach aus Hermerath : ältester Kraftfahrer  des Landes Nordrhein-Westfalen

Bei dieser Veranstaltung wurde Hans Herchenbach als mit 84 Jahren ältester Kraftfahrer der Bundesrepublik vom Präsidenten des ADAC mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet und durfte eine Ehrenrunde über den Kurs fahren. Wenige Wochen vorher war er in einer großen Feier vor seinem Wohnort Hermerath zum  Ehrenmitglied des Vereins ernannt worden. Das Foto zeigt die Überreichung der Ehrenurkunde vor dem Hause von Hans Herchenbach in Hermerath. Im Hintergrund rechts Werner Müller.

Das 2.  Rennen als „Schönenberger Kurs“ – 1.6.1952

Der große Erfolg der 1. Veranstaltung von 1951 ermutigte die Verantwortlichen das 2. Rennen unter den grundsätzlich gleichen Bedingungen wie im Vorjahr auszuschreiben: „Schönenberger Kurs für Motorräder“ -  Geländefahrt mit Geschicklichkeitsturnier, (Motorräder ohne Beiwagen)“. Die Ausschreibung enthielt jedoch eine interessante Änderung. Sie beinhaltete den Passus: „Durch Abgabe der Nennung unterwirft sich der Nennende …. allen von der Fahrtleitung noch zu erlassenden Ausführungsbestimmungen. Der Unterzeichner ist für fehlerhafte und falsche Angaben verantwortlich. Er verzichtet
ausdrücklich auf die Anrufung der ordentlichen Gerichte …


Offensichtlich hatte es hier im Vorjahr Probleme geben, die man nun mit Hilfe der Ausschreibung schon im Vorfeld verhindern wollte. Und: während die Meldegebühr gleichblieb, erhöhte man die Protestgebühr von 30.- auf 50.- DM, was wahrscheinlich als eine Art Abschreckung gedacht war.

Als der ADAC (Geschäftsstelle Köln) diese Ausschreibung Anfang April 1952 erhielt, reagierte er prompt mit dem Hinweis, dass die Veranstaltung nicht den Moto-Cross-Bestimmungen entsprach. Und weiter: „ … es besteht leider dieses Mal keine Möglichkeit, nun diese Bestimmungen so zu umgehen, dass man ohne OMK-Genehmigung (OMK= Oberste Motorradsport Kommission), ohne Versicherung usw. diese Veranstaltung durchführen kann.“ Man empfahl dem Club eine wirkliche Moto-Cross-Veranstaltung entsprechend der offiziellen Bestimmungen durchzuführen und die Strecke von 500 auf 700 oder 800m zu verlängern.

Der Brief endet mit der Feststellung: „So geht es auf keinen Fall“.

Aus den weiteren Unterlagen geht nicht hervor, ob der Club im Jahre 1952 eine Änderung der Strecke durchgeführt hat.  Dies ist eher unwahrscheinlich, da ja nur noch wenige Wochen Zeit waren und der Sieger des Vorjahres, Karl Mücher aus Litterscheid, in diesem Jahr über die 20 Runden einen Streckenrekord mit 11:50  Minuten fuhr, was für eine längere Strecke ja eher unwahrscheinlich wäre.
Eine Änderung führte man jedoch durch: neben dem Motorradrennen wurde eine Zielfahrt für Motorräder und PKW zur Burg Herrenstein durchgeführt , an der etwa 150 Motorradfahrer  teilnahmen, vielleicht eine Probe für die für das nächste Jahr geplante Christophorusfahrt.

An diesen Rennen nahmen insgesamt 50 - 60 Fahrer (unterschiedliche Angaben in den Quellen) „aus ganz Westdeutschland“ teil. Die Presse berichtet von etwa 6000 Zuschauern und fährt fort:  „Mit Autos, Omnibussen und Motorrädern waren die vielen Rennsportbegeisterten aus dem ganzen Rheinland gekommen“.    

Rennstreckenabschnitt nördlich des Sportplatzes
Dr. Helldobler gratuliert dem Sieger der Klasse - 100 ccm Kurt Steinhausen

Am Abend fand die Siegerehrung im Klublokal Josef Schmitz statt.

Manche Presseartikel berichten gar überschwänglich von der  Atmosphäre der Veranstaltung:

„Bereits in den  frühen Morgenstunden donnerten die Motoren ins Bröltal, als ganze Motorrad- und Autokarawanen bröltalaufwärts fuhren, um rechtzeitig zu dem großen Rennen zur Stelle zu sein. Es braucht nicht an das bekannte Vorbild des Nürburgringes erinnert zu werden, um jene prickelnde Rennstimmung und die Erwartung sportlicher Sensation einzufangen. Was sich am Rande des Schönenberger Kurses tat, sprach für sich selbst. Die Ortschaft selbst glich einem Heerlager von Kraftfahrzeugen. Auf den von der Polizei eingerichteten Parkplätzen stauten sich schon bald Motorräder und  Autos aller Klassen zu unübersehbaren Ketten und Schlangen. Riesige Transparente spannten sich über die Straßen, während an den Knotenpunkten des Ortes „fliegende Händler“  ihre Waren feilhielten und selbst bei Platzregen das bunte Treiben nicht abriss.“ (Siegkreis-Rundschau v.2.6.1952)

Schon 1951 hatte der Kölner-Stadtanzeiger geschrieben: „Der Kurs rund um den Schönenberger Sportplatz hat es in sich. Weiter ausgebaut, dürfte er zu einer der interessantesten Bahnen für Motorräder in Westdeutschland werden“.  

zum Teil 2 MSC Schönenberg

zum Teil 3 MSC Schönenberg


©www.bilderbuch-ruppichteroth.de – Wolfgang Eilmes