Neubürger berichten

Fam. Müller

Neubürger berichten im bilderbuch-ruppichteroth.de

Hier  berichtet Linda Müller (z. Zt. (2011) 15 Jahre) über ihre Familie:

Es gibt viele Möglichkeiten über das Leben der Neubürger in Deutschland zu berichten. Doch am effektivsten ist es immer noch, die Betroffenen persönlich zu befragen, solange die Möglichkeit noch besteht. In diesem Fall erzähle ich über das vorherige Leben meiner Familie in Russland und über das jetzige Leben in Deutschland.

Wie kam es, dass sie aus dem Osten nach Deutschland, letztendlich nach Ruppichteroth, kamen?

Über das Leben in der alten/früheren Heimat

Familie Müller, bestehend aus dem Vater Wladimir (50), der Mutter Nina (44) und den beiden Töchtern Elvira (25) und Linda (15).

1. Woher kommt unsere Familie?
Meine Familie kommt ursprünglich aus Russland. Sie lebte in einem kleinen Dorf namens Asbest.In diesem unbekannten Dorf wurden mein Vater und meine Schwester geboren, meine Mutter jedoch kommt aus Kasachstan. Ich bin in Deutschland geboren.

2. Warum haben Sie Ihre alte Heimat verlassen?
Meine Urgroßeltern flohen zu Beginn des 2. Weltkrieges in deutschen Kolonien nach Russland. In diesen Kolonien lebten sie bis zum Ende des Krieges und wurden bereits Eltern von vielen Kindern. Nachdem der Krieg ein Ende gefunden hatte, zogen sie in ein russisches Dorf und bekamen dort weitere Kinder. Sie lernten die Sprache schnell und fühlten sich wohl in diesen Dörfern, jedoch vermissten sie das Leben in Deutschland.  Als die Kinder langsam erwachsen und selbstständig wurden, einige hatten schon eine Familie, beschlossen meine Urgroßeltern nach etwa 40 Jahren wieder nach Deutschland zu ziehen.  Zu dem Zeitpunkt des Beschlusses hatte mein Vater schon eine Familie gegründet.  Da die 9 Kinder meiner Großeltern beschlossen hatten, mit ihnen nach Deutschland zu kommen, zügelten alle anderen hinterher. Es war das Jahr 1992, als die ganze Verwandtschaft Müller nach Deutschland kam.

3. Hatten Sie vor Ihrer Abreise Informationen über das Land (Deutschland) ? Woher ?
Die Hauptquelle für die Informationen waren meine Urgroßeltern. Sie erzählten ihren Kindern ständig über Deutschland und wie es dazu kam, dass sie dieses Land verlassen mussten. Diese Erzählungen wurden von Familie zu Familie
weitergereicht.   Alle waren fasziniert von diesem Land, sodass sie nach Deutschland wiedergekommen sind.  
Die einzigen, die sich kein Bild machen konnten, waren meine Schwester und meine Mutter.
Meine Mutter wollte auf gar keinen Fall Russland verlassen, weil sie ihre ganze Familie hätte zurücklassen müssen. Jedoch war die Liebe zu ihrem Mann so stark, dass sie doch noch einwilligte.  Meine Schwester war zu
dem Zeitpunkt 6 Jahre alt und hatte ebenso wenig Lust wie meine Mutter das Land zu verlassen.

4. Wie haben Sie in Ihrer alten Heimat Ihren Lebensunterhalt verdient ?

Mein Vater arbeitete als Busfahrer und meine Mutter war eine Arbeiterin in einer Fabrik, welche Asphalt herstellte. Jedoch verdiente man in Russland nicht gut, sodass sie sich nur das Nötigste leisten konnten.

Über das Leben der Familie in Ruppichteroth

1. Wieso sind Sie nach Ruppichteroth gekommen? Wie haben Sie davon erfahren?
Zunächst wurde meine gesamte Familie in Brandenburg untergebracht. Dort blieben sie für 6 Monate. Da meine Urgroßeltern kurz nach der Einreise in Deutschland verstarben, spaltete sich die Verwandtschaft und jede Familie zog in verschiedene Bundesländer. Die einen zogen nach Bayern, die anderen nach Nordrhein- Westfalen und einige hielten sich in Niedersachsen auf.  Da meine Großeltern sich für NRW entschieden, zog meine Familie natürlich hinterher.
Meine Familie landete in Schönenberg, während meine Großeltern in Waldbröl lebten.
Doch schon nach kurzer Zeit konnten meine Eltern die Wohnung über der Zahnarztpraxis in Schönenberg nicht mehr ertragen. Deshalb entschieden sie sich für eine Wohnung in Ruppichteroth.


2. Wie waren Ihre ersten Tage / Wochen / Monate / Jahre in Ruppichteroth?
Die ersten Tage in Ruppichteroth waren für meine Familie gewöhnungsbedürftig. Sie konnten zwar ein paar Brocken Deutsch, jedoch reichte es nicht, um sich wohlzufühlen. Sie blieben bei den Deutschen eher unter sich und freundeten sich stattdessen mit deren russischen Nachbarn an. Meine Schwester besuchte die GGS in Ruppichteroth und da sie in Schönenberg langsam anfing,sich zu integrieren, fiel es ihr dieses Mal umso leichter. Schon nach 4 Jahren in Deutschland brachten meine Eltern ihre zweite Tochter zu Welt.Sie fingen an, sich in Deutschland zu Hause zu fühlen.


3. Fühlen Sie sich inzwischen hier zu Hause und integriert ?
Richtig zu Hause in Deutschland haben sie sich gefühlt, als ich geboren worden bin. Da der Ehemann in Russland bei der Geburt des eigenen Kindes nicht an der Seite seiner Frau seindurfte, war es für sie hier in Deutschland ein unvergessliches Ereignis, dass mein Vater meiner Mutter bei der Geburt zur Seite stehen durfte.Sie fingen an, Deutsche zu werden.  Meine Mutter kochte deutsches Essen und ich wurde dem Land gerecht erzogen. Mittlerweile fühlt sich jeder zu Hause. Mein Vater hat eine Arbeit, meine Mutter arbeitet ebenso, meine Schwester macht eine Ausbildung,hat studiert,  und ich habe mich schon von Anfang an integriert gefühlt.

Das Leben in Ruppichteroth ist schön und in einer Großstadt würden wir uns nicht wohlfühlen, da meine Familie früher in einem kleinen Dorf gelebt hat, und so soll es auch weiterhin bleiben.
Klein und idyllisch.

Bericht von Linda Müller

15.11.2011