Will Glahe (1902 - 1989)

Beginnen möchte ich diese Reihe mit einem Musiker, der vom 3.9.1947 - 15.12.1950  in Ruppichteroth (Kammerich,Dorfstr. 3, früher: Pension Gerda Hering, heute Haus Hochscherf) gelebt hat (Danke an Harald Happ von der Gemeindeverwaltung, der dies recherchiert hat). Er war zu seiner Zeit einer der bekanntesten Akkordeonisten, Komponisten und Bandleader für Unterhaltungsmusik in Deutschland. In den USA trat er mit den Jazz-Größen Glen Miller und Fats Domino auf und hatte dort große Erfolge als "Polka-King. Seine Schallplatten erreichten Millionenauflage. Er erhielt 17 Goldene Schallplatten. Sein Name: 

Will Glahe

Sie möchten mal eines seiner bekanntesten Stücke hören? Hören Sie mal rein:  „Rosamunde / The Beer Barrel Polka". 

Es gab kaum ein Unterhaltungsorchester oder einen Unterhaltungskünstler in der Welt, der dieses Stück nicht im Repertoire hatte. Hören Sie - wenn Sie wollen - hier die
Interpretation dieses Stückes durch den großen amerikanischen Pianisten LIBERACE aus einer seiner Shows in Las Vegas oder die Version von James Last.

 

Will Glahe hat mit seinem Orchester im Gasthof Schorn geprobt und im Saal des Hotel zur Krone mindestens ein Konzert gegeben.  Er war ein strenger Dirigent, aber bei der Ruppichterother Bevölkerung als "bodenständiger Mensch" sehr beliebt. Ende 1950 ist er nach Hennef gezogen, hat dort ein Haus gebaut, ist später in die Schweiz gezogen und dann wieder ins Rheinland zurückgekehrt: von 1974 bis zu seinem Tode 1989 hat er in Rheinbreitbach bei Honnef gelebt, wo er auch begraben ist.

Wer kann Informationen über seine Zeit in Ruppichteroth geben oder hat sogar noch Bilder aus dieser Zeit?

 

Stationen seines Lebens:

1902

12. Februar, Willy Karl Adolf Glahe wird als Sohn eines Angestellten in Wuppertal-Elberfeld geboren, wo er zur Schule geht und bis 1926 lebt
1918

1918

Im Alter von 16 Jahren beginnt er das Studium  am Konservatorium in Köln in den Fächern Klavier, Dirigieren und Musiktheorie.
In den folgenden Jahren ist er als Barpianist und als Pianist bei verschiedenen Schallplattenfirmen tätig.

1932

Gründung seines eigenen Orchesters.

1939

Das von ihm arrangierte Stück "Rosamunde" (in Amerika:"Beer Barrel Polka") erreicht in den USA den ersten Platz der Pop-Charts und wird über 1 Million mal verkauft.

1940er Jahre

Will Glahe tritt mit seinem Orchester in den USA mit den Bands von Glen Miller und Fats Domino auf.

1947 - 1950

Will Glahe lebt in diesen Jahren in Ruppichteroth-Kammerich.
Er zieht am 3.9.1947 mit seiner Frau Josefine, geb. Schönenkorb,von Garmisch Partenkirchen nach Ruppichteroth-Kammerich. Am 15.12.1950 zieht er nach Hennef in die Uferstr. 1.

1960

Will Glahe zieht nach Unterengstringen/Zürich in die Schweiz.

1974

Will Glahe zieht zurück ins Rheinland nach Rheinbreitbach bei Bad Honnef.

1978

Will Glahe erhält seine inzwischen 17. Goldene Schallplatte.

1989

1989 Will Glahe stirbt am 21.11. in Rheinbreitbach.

 

Die folgenden Informationen stammen von Lesern des bilderbuch-ruppichteroth.de:

Helmut Zimmermann (früher: Hotel zur Krone) schrieb aus Berlin:


"Nach dem Krieg wohnte der bekannte Akkordeonist und Orchesterchef Will Glahè in Kammerich, Willi Sauer hatte er als Fahrer eingestellt. Will Glahè suchte Kontakt zur einheimische Bevölkerung und kam zum kegeln zu dem Kegelklub „Hä wackelt“ und kegelte dort jeden Freitag mit. Ich erinnere mich noch genau an die Kegelabende, denn ich bediente die Kegelbrüder. Damals war der Kegelerpräsident Josef Schorn, „ Joso“die Kegelbrüder waren Jakob Peters „Apo“ Wilhelm Bickenbach, Willi Schmidt „Kommissar“ Max Zilles, Walter Willach, Otto Willach,Dr. August Boquar, Dr. Willi Ritter, Herr Glahè bekam immer zum Bier einen Bierwärmer, ein kleine Metallenes Röhrchen gefüllt mit warmem Wasser das war besser für den Magen. Die Kegelbrüder baten Herrn Glahè doch mal sein Akkordeon mitzubringen und darauf zu spielen, nach langem Drängen brachte er eines Abends dann doch noch sein Akkordeon mit, wollte aber erst noch gar-nicht darauf spielen, erst nach langem drängen spielte er dann doch noch. Zu dieser Zeit stellte er ein neues Orchester zusammen und übte immer beim Willi Schorn in der Gaststätte. Eines Tages kam er zu meiner Mutter und fragte ob er bei uns im Saal so etwas wie eine Generalprobe für seine geplante erste Tournè nach dem Krieg mit Publikum veranstalten könnte. Er hatte nicht nur sein neues Orchester für die Tournee dabei sondern ein komplettes Varieteprogramm aufgestellt mit Entertainer Zauberkünstler usw. Der Saal war voll und die Leute begeistert. Herr Glahè zog später nach Hennef. Er erhielt 17 Goldene Schallplatten, seine bekanntesten Lieder , die Polka Rosamunde, Tanzende Finger, Die Fischerin vom Bodensee. Er war auch erfolgreich in Amerika, wo er der Polkakönig war, vor und nach dem Krieg. ..."

 

Frau Marianne Bursch (geb. Schneider, früher wohnhaft in Öleroth) schickte aus Köln die folgenden Unterlagen:


Autogrammkarte von Will Glahe mit persönlichem Anschreiben an Frau Bursch und Kommentar zu seiner Zeit in Ruppichteroth-Kammerich:  

 

 


Text:
Sehr geehrte Frau Bursch - Herzlichen Dank für Ihr Schreiben. Es waren schöne Zeiten in Ruppichteroth-Kammerich trotz Aufbau nach dem Krieg. Viele Jahre sind vergangen, "Im Gänsemarsch". Schade, dass die Menschen es nicht verstehen richtig zu leben - gesundheitlich geht es bei uns "Auf u. ab". Bleiben Sie gesund. Mit freundlichen Grüßen Will Glahe und Frau.

P.S: "Im Gänsemarsch" und "Auf und ab" sind 2 Erfolgsstücke von Will Glahe.
 

Absender:

2 Bilder mit Originalautogrammen, das erste mit persönlicher Widmung für Frau Bursch: 

 

Frau Resi Keuenhof, geb. Happ (Kammerich) berichtet:

„Will Glahe wohnte ja in der  Pension Hering, die damals (=1947 – 50) natürlich noch kein Telefon hatte. Wenn der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk (heute WDR)  oder eine Schallplattenfirma Will Glahe sprechen wollte, riefen diese in der Gaststätte Happ (ca. 150m entfernt)  an und ich lief dann zu Will Glahe, um ihn  ans Telefon zu holen, damit er seine Termine absprechen konnte.
Will Glahe war ein freundlicher Mensch, insbesondere auch zu den Bewohnern in Kammerich“.

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Grabaufschrift auf der Mauer:
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Letzte Ruhestätte:

Seine letzte Ruhestätte fand Will Glahe neben seiner Frau auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf, auf dem ja auch Bundeskanzler Konrad Adenauer beerdigt ist. Die Inschrift auf der hinteren Mauer lautet: WILL GLAHE 1902 - 1989.

Das Grab ist sehr leicht zu finden: wenn man den Weg zum Friedhof hochgeht, ist es das erste Grab auf dem Friedhof, auf das man direkt zugeht, wenn man den Weg geradeaus weitergeht,der sich an dieser Stelle nach rechts und links teilt.
Das Grab von Konrad Adenauer befindet sich weiter oben rechts.

Bilder: Wolfgang Eilmes.