Helmut Klein / „Kleinschmied" (1905 - 1991)

von Paul Stommel*

Der Kleinschmied Helmut

„..............dann kommen Sie zum Kaufhaus Schumacher und da fährt die Straßenbahn nach Hambuchen ab".

Im Jahre 1905 in Wuppertal geboren, lebte er lange im Oberbergischen, bis er 1938 nach Ruppichteroth kam. Hier kaufte er später die alte Dorfschmiede von Meister Schmitt in der Burgstraße Nr. 11. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Haus zu seiner jetzigen Größe umgebaut.

Die Bilder in diesem Artikel wurden aus dem Nachlass von Helmut Klein zur Verfügung gestellt von Doris Scholl. Vielen Dank für die Überlassung.

Im Erdgeschoß aber blieb die alte Schmiede, so wie sie war vor Urväter Zeiten: schwarzverrußte Bruchsteinwände, spärlich beleuchtet, unbeheizt, mit Amboss und Schmiedefeuer, in der hintersten Ecke eine alte Bohrmaschine aus  Kaisers Zeiten, viele Stahl, Blech und Hufeisen für alle Pferdehufgrößen, in den Bruchsteinfugen steckte das Werkzeug, wie Feilen, Zangen usw.
So muss man sich die Schmiede von Helmut Klein vorstellen, in der er täglich seine schwere Arbeit verrichtete.
Unzählige Pferde hat er beschlagen, Ackergerät hergestellt und repariert, Radreifen und die Beschläge für Wagen und Karren geschmiedet.
Als sich die Zeiten änderten und die Pferde als Arbeitstiere nicht mehr gebraucht wurden, musste sich auch der Schmied umstellen.
Jetzt wurden Bauschlosserarbeiten verrichtet. Der Schmied stellte Treppengeländer , Fenstergitter, und dergleichen her.
Schmiedemeister Klein, groß und kräftig, rotblondes Haar, etwas gerötetes Gesicht, die Elbschiffermütze nach hinten geschoben, so sah man ihn bei der Arbeit.
Das ist die eine Seite.

 

Der andere Helmut Klein war ein Mann  mit Humor, Witz und Schlagfertigkeit, der große Geschichtenerzähler, Geschichten zwischen Dichtung und Wahrheit. Seine größte Freude war, wenn er ein Opfer fand, dem er einen Bären aufbinden konnte. So kam z. B. noch in der Zeit der Bröltaleisenbahn ein feiner Herr an der Schmiede vorbei und fragte nach dem Weg nach Hambuchen. Helmut todernst: „Gehen Sie um die große Kurve an der evangelischen Kirche vorbei, dann kommen Sie zum Kaufhaus Schumacher und da fährt die Straßenbahn nach Hambuchen ab. Aber  steigen Sie in die Linie 1, sonst fahren Sie falsch.“ Der Herr bedankte sich und begab sich auf die Suche nach der Straßenbahn.

Klicken Sie auf die Bilder, um diese in größerer Ansicht zu sehen.

Helmut Klein, ca. 1940, im Hintergrund die alte Dorfschmiede von Meister Schmitt
Fast täglich wurden die Pferde von ihm beschlagen
  • Klicken Sie auf die Bilder, um diese in größerer Ansicht zu sehen.

Der Turnvater Helmut

Neben seiner vielen Arbeit fand er immer noch Zeit, sich um die jungen Turner des TV 1888 zu kümmern. Für sie war er Betreuer und Kampfrichter, und er fuhr mit seinem alten Vorkriegs-DKW vollbeladen zu vielen Wett kämpfen. Gegen Wettkampfnervosität hatte er ein wirksames Mittel: drei Tropfen Baldrian auf einen Teelöffel Zucker.„Äwer nur drei Troppen, nett mie, söss schlooft ür mer enn.“
Man sieht, Doping gab es schon vor 50 Jahren.
Für die Straßenverkehrsordnung hatte er seine eigene Auslegung.
In den 50er Jahren fuhr er mit seinem Wagen vollbeladen mit 5 Turnern über eine Kreuzung. Nach dem Schrei eines Mitfahrers  „Helmut, pass opp, dä hat Vorfahrt!“ kam seine Belehrung: „Mir hann Vorfahrt. Mir senn met  6 Mann em Auto on dä wor alleen!“
Im Nachhinein betrachtet, hat ihn von den jungen Leuten niemand gefragt:  „Helmut , was haben wir dir zu bezahlen für die viele Fahrerei?“ es war selbstverständlich, dass er sie immer mitnahm. Hätte man ihn aber gefragt, so wäre seine Antwort gewesen: „ Att es alt joot, örr sitt och arm Deubel on hat keen Jeld.“
So gibt es über unseren Dorfschmied viele schöne Geschichten zu erzählen und man kann sie nicht alle aufschreiben.
Wenn Sie mehr wissen wollen, gehen Sie freitags abends in das schöne Wirtshaus „Dorfschänke“, da sitzt ein grauhaariger Mann am hinteren Ende der Theke an die Wand gelehnt: fragen Sie ich  nach Helmut Klein.
Was noch zu berichten ist:
Jahrzehntelang war er Fahnenträger des Turnvereins.
Bei Festzügen, Festlichkeiten und Beerdigungen von Vereinsmitgliedern hat der die Fahne mit großer Würde getragen.

Klicken Sie auf die Bilder, um diese in größerer Ansicht zu sehen.

ca. 1950, 1. Reihe v. li.: Hermann Josef Stommel, Alfons Honscheid, Helmut Klein
ca. 1960, Fahnenträger Helmut Klein,rechts neben ihm Paul Stommel, der Autor dieses Artikels, im Vordergr.: der Spielmannszug des TV 1888 mit Tambourmajor Kurt Meier
ca. 1965, 1. R. v.l.: Heinrich Gerhards, Helmut Klein, Josef Gräf
ca. 1965, 1. R. v.l.: Heinrich Gerhards, Helmut Klein, Josef Gräf

Zu Lebzeiten hat er noch sein eigenes Grabkreuz geschmiedet, nach alter Schmiedetradition.

Er starb 1991, seine Frau (Paula) war schon früher verstorben.
Da ruhen sie nun, zu Füßen des Kreuzes auf dem evangelischen Friedhof, der Schmiedemeister Helmut Klein und seine Frau Paula.

* Veröffentlichung im bilderbuch-ruppichteroth.de mit freundlicher Genehmigung des Autors Paul Stommel. Vielen Dank, Paul.
Der Artikel wurde geschrieben für das Jahresheft 2002 des Bürgervereins Ruppichteroth.