Interview mit Rolf-Helmut Geldsetzer, dem heutigen Besitzer des früheren Märchenwaldes Ruppichteroth

bilderbuch-ruppichteroth:  Herr Geldsetzer, mit welcher historischen Person, würden Sie mal gerne „einen Kaffee trinken?“

R.H. Geldsetzer: Bei der Aufarbeitung der Geschichte des Märchenwaldes Ruppichteroth tauchten bei mir Fragen auf, die ich gerne meinen Vorfahren, meinem Urgroßvater August Hartmann und seinem Bruder Gustav Hartmann gestellt hätte, würde ich mich mit diesen heute unterhalten können.

bilderbuch-ruppicheroth: Welche Fragen würden Sie diesen beiden stellen?

Geldsetzer: Wie war es möglich, trotz der harten Arbeit als Bauer und den damaligen Arbeitsbedingungen noch Zeit und Muße zu finden, für Gesang, Musikabende und die zahlreichen kunsthandwerklichen Arbeiten, die den Grundstein legten für den späteren Märchenwald? Welche Methoden wurden angewandt, die einzigartigen Skulpturen zu erstellen? Gab es keine Probleme der Materialbeschaffung? 

bilderbuch-ruppicheroth: Hätten Sie gerne das Hundertjährige Bestehen des damaligen Märchenwaldes im Jahre 2014 gefeiert?

Geldsetzer: Sehr gerne. Leider mußten wir ca. 10 Jahre vorher schließen.

bilderbuch-ruppicheroth: Welche Gründe gab es für die Schließung?

Geldsetzer: Die mittlerweile auf über 1 Hektar Geländefläche angewachsene Anlage war sehr pflegeintensiv. Nebenberuflich und im Familienkreis war dies nicht mehr zu bewältigen. Die Einstellung von Arbeitskräften hätte eine gewaltige Umstrukturierung bedeutet: mehr Kommerz, breitere Wege, größeren Parkplatz, bessere Erschließung. Nach einer mehrjährigen Entscheidungsphase ist dann im Familienkreis die schwere Entscheidung zur Schließung gefallen.

bilderbuch-ruppicheroth: War die Vermietung oder der Verkauf der Anlage eine Option für Sie?

Geldsetzer: Diese Variante wurde geprüft, schied aber wegen der engen Verzahnung von Wohnhaus, landwirtschaftlichem Betrieb und Märchenwald aus. 

bilderbuch-ruppicheroth: Ein großer Teil der Anlage, der Skulpturen und Märchendarstellungen ist noch in Ihrem Familienbesitz. Zahlreiche Ruppichterother Bürger blicken gerne auf die Besuche im Märchenwald zurück. Sehen sie noch irgendeine Perspektive, die eine Wiederöffnung denkbar scheinen lässt?

Geldsetzer: Ich bin zu sehr Optimist, um „niemals“ zu sagen. Derzeit passt es jedoch nicht. So wie es mal eine Entwicklung vom Steiner Schlösschen, zum Steiner Waldmuseum und schließlich zum Märchenwald gab, so kann ich nicht ausschließen, dass eines Tages das gärtnerische (Offene Gartenpforte) oder die Kunst der Grund für eine Öffnung für die Öffentlichkeit darstellen könnte. Kleine Ansätze dazu gibt es schon: so wird die angrenzende Bienenhausfläche nicht nur von einem Imker genutzt, sondern es finden dort Schulungen der Volkshochschule zur Imkerei statt. So wurden angrenzende Waldflächen oder die ehemalige Picknickwiese für Ferienpassaktionen zur Verfügung gestellt. Dabei haben die Inhaber stets größten Wert auf Naturnähe gelegt. Unabhängig von staatlichen Verordnungen oder Gesetzen (Bebauungsplänen, Landschaftsplänen), soll dieses Kriterium der Naturverträglichkeit auch weiterhin Grundlage für eine mögliche Entwicklung sein. 

bilderbuch-ruppicheroth: Ich habe oft vom Wunschstein in der Wunschecke gehört. Was hatte es damit auf sich?

Geldsetzer: Dies war eine Entwicklung meines Großvaters Eduard Geldsetzer. Kinder, die auf einem bestimmten großen Stein saßen, durften sich alles wünschen. Ich kann mir vorstellen, dass manche Kinder ihre Eltern nicht nur während des Märchenwaldbesuches, sondern auch noch danach in den Ohren lagen: „Papa, wann geht der Wunsch in Erfüllung?“

bilderbuch-ruppicheroth: Gab es auch unzufriedene Besucher? Was gefiel den Besuchern besonders gut?

Geldsetzer: Ja, es gab Besucher, die ein automatisches Märchenerzählen erwarteten, nachdem man einen Knopf drücken würde. Andere vermissten eine Frittenbude und suchten einen größeren Kinderspielplatz. 

Immer wieder neuen Mut machten uns die zahlreichen zufriedenen oder begeisterten Besucher:   Kindern  gefiel das Geheimnissvolle, nicht zu wissen, was sie hinter der nächsten Kurve erwarte. Vielen Erwachsenen gefiel die Naturnähe der Anlage und auch die Ruhe. (Letztere ist jedoch durch die Nähe zu einer metallverarbeitenden Fabrik inzwischen kaum noch vorhanden.) 

Großer Beliebtheit erfreute sich die Picknickwiese. So manches Kind durfte hier seinen Geburtstag feiern. 

Zwischen 1955 und 1965 wurde ausserdem Ponyreiten angeboten. 

Es gab Besucher, die begeistert erzählen konnten, dass sie als Kleinkind, als Eltern mit ihren Kindern und als Großeltern mit den Enkeln die Anlagen besucht haben.

bilderbuch-ruppichteroth: Herr Geldsetzer, vielen dank für dieses informative Interview.

Ruppichteroth im August 2015