Vor dem Abriß

Dies soll KEIN historischer Überblick über die Huwil-Werke und ihre Geschichte sein.

Aus aktuellem Anlaß, dem bevorstehenden Abriß der Gebäude auf dem ehemaligen Gelände HUWIL Werk 1 und der geplanten Errichtung eines Einkaufszentrums, möchte ich lediglich einen Beitrag dazu leisten, diese Entwicklung in einigen Aspekten rückwirkend zu betrachten und mit Hilfe von Links die aktuelle Diskussion begleiten und die Planungen aufzeigen.

Vielleicht ergibt sich später ja einmal die Möglichkeit, die Geschichte der HUWIL-Werke hier ausführlich darzustellen. Vielleicht hat ja auch jemand Interesse, dies durchzuführen oder hierbei behilflich zu sein.

Stand der Informationen des Haupttextes ca. Okt. 2012. Ich werde mich bemühen, den Informationsstand in unregelmäßigen Abstand zu aktualisieren.

Bild von 1910: Gelände des späteren Huwil Werk 1 mit Wohnhaus/Verwaltungssitz und den 1904 errichteten Fabrikhallen mit den Shed-Dächern. Vor dem Gebäude erkennt man die Bröltalbahn. Das Gebäude ganz links beherbergte die frühere Post. Es wurde 1966 zusammen mit dem Bahnhofsgebäude abgerissen.

Um das Bild oben in größerer Ansicht zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild.
Bild:"Willach – die Firmengeschichte, 1889 – 1989“, Gebr. Willach Ruppichteroth, 1992. Vielen Dank für die Überlassung.   

„Huwil-Gelände wird Einzelhandelszentrum“ (broeltal.de 19.8.2012)

„Auf dem Weg zum Supermarkt“ (Rhein-Sieg-Anzeiger 23.8.2012)

„Rücksicht nehmen auf das Ortsbild“ (Kölnische Rundschau 25.8.2012)

"Rettung aus Dornröschenschlaf" (Rhein-Sieg-Rundschau 5.10.2012)

"Planer wollen einige Gebäude erhalten" (Rhein Sieg-Anzeiger 5.10.2012

"Huwil: Shed-Dächer und Fachwerk retten" (broeltal.de 8.10.2012)


So lauteten die Schlagzeilen der lokalen Nachrichtendienste in den letzten Tagen. Und unter den Bürgern in Ruppichteroth findet eine rege Diskussion über die Pläne statt, bei der neben der Frage, welche Geschäfte dort vielleicht einziehen werden, die andere Frage immer wieder lautet: werden die historischen Gebäudeteile erhalten oder wird – wie vielfach in der Vergangenheit und oft mit späterem Bedauern geschehen – alles abgerissen?

Um welche Gebäude geht es dabei?

Ehemaliges Haus des Bürgermeisters Eugen Bauer (erbaut ca. 1890).
Fabrikhallen mit Shed-Dächern, erbaut 1904. Bilder: Wolfgang Eilmes

In einer Information im Mitteilungsblatt der Gemeinde Ruppichteroth vom 24.8.2012 teilt Bürgermeister Loskill mit, dass die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmerinnen und Unternehmer der Gemeinde Ruppichteroth im Oktober 2012 in einer "Informationsveranstaltung zur Entwicklung des Huwil-Geländes sowie zum bereits in Auftrag gegebenen Einzelhandelskonzept" informiert werden.

Im Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger wird der Vorsitzende der Interessengemeinschaft "Schaufenster Ruppichteroth zitiert:"Wichtig ist Klaus Dieter Müller, aber auch, dass "ein Stück Denkmal" erhalten bleibe. Prägende Gebäude wie der alte Bahnhof der Brölbahn seien in der Vergangenheit abgerissen worden - nun hofft der Geschäftsmann auf etwas mehr Feingefühl bei der Umgestaltung des Huwil-Geländes". Laut Kölner Stadt Anzeiger "gelobt" Bürgermeister Loskill, "die Gemeinde wolle beim Investor daruf hinwirken, dass markante Punkte erhalten bleiben". Die Kölnische Rundschau zitiert die Vorsitzende der Grünen, Frau Dr. Rita Tondorf, mit den Worten, die Gestaltung des Zentrums müsse sich ins Ortsbild einfügen; eine "Containerbauweise" komme für Ruppichteroth nicht in Frage.   
www.bilderbuch-ruppichteroth.de möchte zu dieser Diskussion mit Hilfe der in den letzten 2 Jahren von vielen Bürgern zur Verfügung gestellten Bildern und durch einige Informationen zur historischen Entwicklung der Brölstraße und des Huwil-Geländes Werk 1 einen kleinen Beitrag leisten.
Unbestritten gehören die von der Brölstraße aus sichtbaren Teile des ehemaligen Huwil Werk 1 zu den markanten Gebäuden in Ruppichteroth.

Bild: Klaus Stöcker. Vielen Dank für die Überlassung.

Wer von Osten aus durch Ruppichteroth fuhr bzw. fährt, dessen Blick fällt auf das braungelbe Fachwerkhaus, das vom früheren Bürgermeister Eugen Bauer erbaut, dann von der Familie Willach bewohnt und schließlich als Produktionsstätte und Verwaltungssitz der Huwil-Werke genutzt wurde:   

Wer von Westen über die Brölstraße nach Ruppichteroth kam, sah von 1904 – Ende der 90er Jahre als erstes die rot-braunen Fabrikgebäude mit den sogenannten Shed-Dächern (vom engl. shed = Schuppen), eine geniale Erfindung der frühen Phase der Industrialisierung. 

Bilder: Wolfgang Eilmes
Dieser Blick wurde Ende der 90er Jahre durch den Bau des modernen Hochregallagers „verändert".

Dies war natürlich nicht immer so. Erst vor wenigen Wochen war an dieser Stelle im Zusammenhang mit der Geschichte der Bröltalbahn zu lesen:
„Kaum zu glauben, aber wahr: bis 1862 war Ruppichteroth von der „Außenwelt“ weitgehend abgeschnitten, es gab gar keine Straße durchs Bröltal". Und selbst in den Jahren nach ihrer Inbetriebnahme (15.9.1862) war sie nur eine Durchgangsstraße. Der eigentliche Ortskern befand sich bis weit in die 1960er Jahre an den Straßen um und zwischen den beiden Kirchen. Einer der ersten, der die wirtschaftliche Bedeutung der Brölstraße erkannten, war der Unternehmer Anton Heider, der im Jahre 1860 in weiser Vorausschau der durch die Brölbahn zu erwartenden Entwicklung das spätere Hotel zur Krone als Bahnhofshotel errichtete. 
Heute sind im westlichen Bereich der Brölstraße nur noch das Fachwerkhaus des ehemaligen Bürgermeisters Eugen Bauer (später Produktionsstätte, Wohnsitz und Verwaltungsgebäude der Fa. Gebr. Willach / Huwil), die Fabrikanlagen mit den Shed-Dächern und das heutige Haus Pach (erbaut von Peter Bohmerich, Wohnhaus der jüdischen Viehhändler Marx und Nathan, später Praxis Dr. Ohlemüller, danach Praxis Dr. Pach,heute Praxis Dr. Bartolic)  aus der ersten Bauphase erhalten.
Alle anderen Gebäude wurden abgerissen und durch neue Gebäude oder Leerflächen ersetzt. (mehr darüber in Teil 2)

Was ist nun das Besondere, vielleicht sogar Historische an den Gebäuden auf dem ehemaligen Huwil-Gelände?

Zumindest 2 dieser Gebäude haben eine erwähnenswerte Geschichte: 

 1. Das Fachwerkhaus von Bürgermeister Eugen Bauer (später Huwil-Verwaltungsgebäude)

Fachwerkhäuser waren von der Antike bis ins das 19. Jahrhundert eine der vorherrschenden Bauweisen und in Mitteleuropa nördlich der Alpen bis nach England verbreitet, wobei es viele regionale Varianten gab. In unserer bergischen Region ist vor allem der schwarz-weiße Fachwerkbau verbreitet.
Noch in den 50er Jahren waren viele (die meisten ?)  Ruppichterother Gebäude Fachwerkhäuser. Sie wurden danach zum Teil abgerissen, vielfach aber auch verputzt oder mit anderen Verkleidungen versehen, da Fachwerkhäuser zwar sehr schön, aber auch sehr pflegeaufwendig und damit kostenträchtig sind, wenn sie in  einem guten Zustand erhalten werden sollen. Auch heute noch sind zahlreiche Häuser im Ruppichterother Ortskern Fachwerkhäuser, nur sieht man dies eben nicht mehr.
 

Blick auf die westliche Burgstraße 1950. Im Hintergrund der evangelische Friedhof und die noch kaum bebaute Huppach.Bild: Arno Schwarzbach.
Archiv Alois Müller. Vielen Dank für die Überlassung.

Einige besonders gut bzw. sehr gut erhaltene Fachwerkgebäude sind sicherlich die Dorfschänke (Marktstraße), die Villa Daheim (ehem. Wohnhaus Horst Willach, Brölstraße), die Villa der Fam. H.F. Willach, das Haus Harth (ehem. Wohnhaus, Bürgermeisteramt,Verwaltungsgebäude der Bergwerksgesellschaft Phoenix, Krankenhaus, Sanatorium,Schullandheim, heute „Fliesen Harth“ )  und eben das ehem. Bürgermeisterhaus Eugen Bauer an der Brölstraße, um nur einige wenige zu nennen.
 

Geschichte des Hauses Eugen Bauer an der Brölstraße

Das Fachwerkhaus „Haus Bauer“ wurde vom damaligen Bürgermeister Eugen Bauer (1855 – 1951) erbaut. Eugen Bauer war Bürgermeister der Gemeinde Ruppichteroth von 1883 – 1905. Nach einer Bürgermeisterstelle in Nümbrecht (1874 – 1883) ernannte ihn der Regierungspräsident 1883 zum Bürgermeister von Ruppichteroth. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ruppichteroth.  Bürgermeister wurden zur damaligen Zeit nicht von den Bürgern gewählt, sondern vom Regierungspräsidenten ernannt. Sie gehörten – auch in Ruppichteroth - oft zu den begüterten Schichten der Bevölkerung, wie wir ja auch am Beispiel von Bürgermeister (1813-1836) Heismann, dem Erbauer des heutigen Hauses „Fliesen Harth“ sehen. 
Bürgermeister Bauer wohnte zu Beginn seiner Amtszeit im ehemaligen Wohnhaus des Bürgermeisters Heismann (s.o.) und zog ca. 1890 in das neu erbaute Fachwerkhaus an der Brölstraße ein. Eugen Bauer war ein angesehener Mann in der Gemeinde Ruppichteroth: mit seinem Namen verbinden sich bis heute die Gründung der Freiwilligen Feuerwehren in Ruppichteroth und Winterscheid, die Gründung von Versicherungen für die arme Bevölkerung, von Spar- und Darlehnskassen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die notleidende Bevölkerung , Verbesserung der Infrastruktur (insbesondere der ärztlichen Versorgung und der Verbesserung des Postwesens) sowie dem Beginn des Fremdenverkehrs in der Gemeinde.
Nach der Hochzeit seiner Tochter Maria Mathilde mit dem Unternehmer Otto Willach im Jahre 1896 sagte man ihm „zu große Nähe zur Familie Willach“ nach. Diese Vorwürfe und Unterstellungen machten ihm so zu schaffen, dass er im Jahre 1905 mit 55 Jahren erfolgreich seine vorzeitige Pensionierung erreichte und damit seinen Dienst für die Gemeinde Ruppichteroth beendete. Er zog – wie viele wohlhabende Senioren zu seiner Zeit – nach Bonn und starb im Jahre 1951 als damals ältester Bürger der Bundeshauptstadt Bonn im Alter von 101 Jahren.
(Quelle: Karl Schröder, Die Zivilgemeinde Ruppichteroth 1808 - 2006, 2006)
 
Das Fachwerkhaus an der Brölstraße verkaufte er 1905 an die Fam. Otto Willach, die dieses als Wohn- und Firmensitz nutzte: 
Die Familie Otto Willach vor ihrem Haus an der Brölstraße, ca. 1910.
Bild: Archiv Alois Müller. Vielen Dank für die Überlassung

2. Die  Fabrikgebäude mit den Shed-Dächern der ehemaligen Huwil Werke Werk 1


Bild : Ruppichteroth im Jahre 1905. Vorne links sehen wir die Shed-Dächer der kleinen Willach'schen Fabrik, die im Jahre 1904 erbaut wurde. Bild:Archiv Alois Müller. Vielen Dank für die Überlassung.
Die frühere Fa. Huwil-Werke wurde 1889 als Fa. Gebr. Willach, Handelsgeschäft für Schlösser und Beschläge, von den beiden Brüdern Hugo  und Otto Willach in der heutigen Straße Zum Sperber gegründet. Schon bald begann man neben dem Handel auch mit der Herstellung von Schlössern. Nach einer Zwischenstation in einem Haus in der heutigen Marktstraße verlegte man Wohnung und Produktionsräume um ca.1900 ins Haus Bauer an der Brölstraße. Die ersten Schlösser wurden dort in den Kellerräumen des Hauses Bauer hergestellt. Mit Hilfe von Fachleuten aus dem Raum Velbert, die die hiesigen Arbeiter in der Herstellung von Schlössern anwiesen, baute man die Produktion sehr schnell aus. „So entstand die Grundlage für ein Jahrhundert Qualitätsware und modernste Technologie. So langsam entwickelte sich aus dem armen Haferspanien – wie man das Bröltal seinerzeit im Volksmund nannte – ein Industriestandort“ („Willach – die Firmengeschichte, 1889 – 1989“ Gebr. Willach Ruppichteroth, 1992). 
Schon 1904 errichtete man hinter dem Wohnhaus die „kleine Willach’sche Fabrik“ in zukunftsweisender Shed-Bauweise. Ziel dieser Bauweise war die optimale Ausnutzung des Tageslichtes durch die nach Norden ausgerichteten Glasfenster bei gleichzeitiger Minimierung unerwünschter Erhitzung (daher die Ausrichtung nach Norden), eine sicherlich sogar aus heutiger Sicht geniale Idee.

„Ein Sheddach besteht aus mehreren aneinander gereihten, parallel angeordneten Pultdächern, die dem Gebäude eine sägeähnliche Kontur verleihen und bei dem die senkrechten Flächen verglast sind. Sheddächer werden meist nach Norden geöffnet, weil sie von dort einen blendfreien Lichteinfall garantieren. Sie werden
in Gebäuden eingesetzt, in denen eine gleichmäßige Belichtung erforderlich ist und direkte Sonne einen Störfaktor darstellen würde, wie z.B. in Produktionshallen“. (Quelle: Baunetzwissen.de)
„Der Vorteil von Sheddächern ist, dass die Grundfläche des Bauwerks minimiert werden kann und eine Ausleuchtung durch den natürlichen Lichteinfall aus Norden blendfrei ohne Bildung von Schlagschatten ermöglicht wird. Die einzelnen Dachaufbauten werden bei einem Sheddach als Reiter bezeichnet. Der Reiter besteht aus einer abgeschrägten Dachfläche und einer steileren oder senkrechten Fensterfläche, die den Lichteinfall ermöglicht. Dies hat den Vorteil, dass ein Gebäude weniger Stützen für den Dachaufbau benötigt, um die Konstruktion abzusichern, was sich auch in den Baukosten niederschlägt.
Quelle: Wikipedia.de

Weitere Bilder zur Brölstraße finden Sie hier im bilderbuch-ruppichteroth.de auf den folgenden Seiten:
- Straßen/Brölstraße-West
- Straßen/Brölstraße-Mitte
- Straßen/Brölstraße-Ost

 

Teil 2: Geschichte der Brölstraße (westlicher Bereich) - 1862 bis heute