Der Anfang vom Ende der Bröltalbahn

Geschichte der Bröltalbahn Teil 2

1925

Erster Einsatz von Omnibussen (später auch mit Anhängern) zusätzlich zum Schienenverkehr:

Die Bilder auf dieser Seite stammen aus: Ruppichteroth im Bild der Zeit, Hrsg. Harry Hendricks, 1982. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Franz Schmitt, Siegburg.

7.10.1934

Erster Einsatz einer  Dieselzugmaschine (vierachsiger Triebwagen).

1935

Genehmigung neuer Höchstgeschwindigkeiten:
- Dampfzüge 30 km/h
- Triebwagen 35 km/h
- Güterzüge 20 km/h

1937

Bahn: Beförderung von 305 000 Personen
Bus:   Beförderung von 388 000 Personen
Bahn: Beförderung von 475 000 t Gütern, davon mehr als die Hälfte Basalt zum Bau der Reichsautobahn.

4.11.1940

Infolge der Unterspülung  der Schienen nach einem Hochwasser  stürzte ein Triebwagen in der Dunkelheit (22:30 Uhr)  gegenüber dem Ingersauelerhof in  Ingersauelermühle in die Bröl. Von den 18 Insassen der Bahn starben 4 in den reißenden Fluten der Bröl.

Quelle: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit, Bd. 2, Hrsg. Harry Hendricks,1978. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Franz Schmitt, Siegburg.

März /April 1945

Die in unsere Region kurz vor Kriegsende vorrückenden Amerikaner forderten die zeitweise Einstellung des Betriebes der einzelnen Teilstrecken  der RSE. Lediglich die Strecke durch das Bröltal wurde bis zum Kriegsende aufrecht erhalten und diente dem Transport von Verwundeten und Gefangenen sowie dem Transport der Evakuierten und Ausgebombten aus dem Raum Köln-Bonn.               
Nach Kriegsende kamen mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn  viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten des  ehemaligen Deutschen Reiches  ins Bröltal und sind hier seßhaft geworden.
Die letzte im Juni 1944 angeschaffte 51 t schwere Dampflokomotive  Nr. 53, die für einige Monate auch noch ihren Dienst im Bröltal tat, ist heute nach der Restaurierung durch die dortigen Eisenbahnfreunde im Museum in Asbach zu sehen.

Nach 1945

Einen hohen Anteil an den Benutzern der Brölbahn hatten die sog. „Hamsterer“. So bezeichnete man die Menschen aus dem Raum Köln-Bonn, die mit den ihnen verbliebenen Gütern (Familienschmuck, Silberbestecke, Stoffe etc.) auch ins Bröltal kamen, um im Tausch hierfür Butter, Kartoffeln, Eier oder Fleisch zu erhalten.
Der Güterverkehr  war nach Kriegsende fast zum Erliegen gekommen.
Auch der Personentransport wurde zunehmend von Bussen übernommen. Sie waren schneller, flexibler einsetzbar und kostengünstiger.

31.1.1953

19:33: Uhr: Letzte Triebwagenfahrt von Waldbröl nach Benroth.
Anschließend Abbau der Schienen auf der Strecke Ruppichteroth – Waldbröl.

1.4.1954

Die letzte Bahn fährt aus dem Raum Ruppichteroth nach Hennef.

Die letzte Fahrt der Bröltalbahn. Hier auf der Brölstraße in Schönenberg (links Straße zum ehemaligen Kloster). Offensichtlich hätten die Bürger die Bröltalbahn gerne behalten. Lokführer war Josef Hohn, Thal. Bild: Archiv Alois Müller. Vielen Dank für die Überlassung.

1963

Das Schienennetz der Rhein-Sieg-Eisenbahn AG“ war auf 28 km geschrumpft.

1967

Der Schienenbetrieb wurde komplett eingestellt.

Am Ende seines Berichtes von 1988 schreibt Herbert Hohn:
„Die Brölthaler Eisenbahn, respektive Rhein-Sieg-Eisenbahn, hat in ganz besonderem Maße mitgeholfen, das vorher von der „ Außenwelt“ fast gänzlich abgeschnittene Bröltal zu erschließen; ja, man könnte sogar sagen, hat diese Erschließung erst ermöglicht.
Es ist müßig, der Vergangenheit nachzutrauern, aber man stelle sich vor, man hätte eine Teilstrecke durch das heute noch sehr romantische Bröltal in Betrieb gelassen oder an Privat verkauft, über was für eine Touristenattraktion  ersten Ranges wir heute verfügen würden.“  
Dass eine solche Idee durchaus Erfolg hätte haben können, kann man an einer anderen, 1870 in Betrieb genommenen Schmalspurbahn sehen: der heute noch  existierenden  Zillertalbahn in Österreich,  deren  z. Zt. 31,7 km  langes Streckennetz bis 2014 sogar noch erweitert werden soll. Sie dient heute dem Nahverkehr, in geringem Maße dem Güterverkehr (Holztransport)  und vor allem dem Tourismus. Im Dieselbetrieb wurden dabei im Jahr 2007 1,7 Mio. Fahrgäste transportiert.

Quellennachweis:
Norbert Wurtscheid, „Das Bröltalbähnchen“ , in: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit, Band 2, 1978  Hrsg. Harry Hendriks
Herbert Hohn, „Das Bröltal und die Bröltalbahn“ , in: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit, Band 3, 1988, Hrsg. Harry Hendriks
Karl Schröder, „Der Bau der Bröltalstraße“, in:Die Zivilgemeinde Ruppichteroth 1808 – 2006, 2006, S.65 - 69
Günter Benz, „Vom Bergbau bei Ruppichteroth“, Jahresheft 2000 des Bürgervereins Ruppichteroth, S. 29-38
Bürgerverein Ruppichteroth - Wolfgang Steimel, „Brölthalbahn 1863 - 1954"
Günter Benz, „Zur Geschichte der Kalkbrennerei bei Schönenberg und Ruppichteroth“, 2011.
Kissau, „Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (Bröltalbahn)“, Krefeld 1970.