Bilderbuch Ruppichteroth

Geschichte der Ruppichterother Synagoge

Die ehemalige Synagoge in Ruppichteroth ist „der einzige erhaltene Synagogenbau des Rhein-Sieg-Kreises“.(Quelle: Der Direktor des Landschaftsverbandes , Rheinisches Amt für Denkmalpflege des LVR im Schreiben vom 15.03.1989 an die Gemeinde Ruppichteroth als  Untere Denkmalbehörde)

Überblick: von 1900 - heute

22.12.1900: Gründung des Vereins „Chewre Kedische" mit dem Ziel des Baus einer Synagoge in Ruppichteroth
05.08.1920: Grundsteinlegung
01.07.1921: Einweihung
10.11.1938: Brandanschlag auf die Synagoge im Rahmen der Ereignisse der sog. Reichspogromnacht
1939: Verkauf der Synagoge, Umbau und Nutzung als privates Wohnhaus
1959: erneuter Umbau und weiterhin Nutzung als Wohnhaus
2019: Kauf des Gebäudes durch die Gemeinde Ruppichteroth, derzeit weiterhin Nutzung als Wohnhaus

„Seit mindestens 1835 gehörten die Ruppichteroth Juden der Synagogengemeinde Nümbrecht an"(Information von Anne Vogelmayr, Nümbrecht, Autorin von „Mein Name ist Meta Herz")„Wegen der örtlichen Nähe und dieser historischen Gebundenheit schlossen sie sich auch nicht der 1863/64 gegründeten „Synagogengemeinde des Siegkreises" an, sondern verblieben bei der Synagogengemeinschaft Nümbrecht." (Quelle: Unwiederbringlich vorbei, Geschichte und Kultur der Juden an Sieg und Rhein, Hrsg. Claudia Maria Arndt, Siegburg, 2005, Karl Schröder, Juden in Ruppichteroth, S. 178 - 185).
Sie nahmen dabei über Jahrzehnte den beschwerlichen Weg  nach Nümbrecht zu Fuß oder mit dem Pferdefuhrwerk zum wöchentlichen Gottesdienst in Kauf. Die Nümbrechter Juden hatten schon 1828 eine Synagoge erbaut. 

Vom Bethaus zur eigenen Synagoge

Zum Gebet traf man sich aber auch immer öfter im Privathaus der Familie Marx in der Wilhelmstraße in Ruppichteroth.  Als sich jedoch die Zahl der Ruppichterother Juden im Laufe der Zeit erhöhte, wuchs um die Jahrhundertwende der Wunsch „im hiesigen Ort ein Bethaus zu errichten u. dem Bedürfnis entsprechend,  einen Gottesdienst nach Vorschrift abhalten zu können“. Hierzu gründete man am 22.12.1900 einen Verein unter dem Namen „Chewre Kedische“, der 14 Familienoberhäupter unter dem Vorsitz von Simon Gärtner angehörten. Die Urkunde hierzu übergab der spätere Vorsitzende Moses Hess vor seiner Deportation 1941 zur treuhänderischen Verwahrung an Gustav Seuthe, dessen Urenkel  Sven sie am 26.01.2006 in einer Feierstunde in Ruppichteroth an den Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein, Herbert Rubinstein, übergab.

Es sollten jedoch noch fast 20 Jahre vergehen, bis die Pläne fertig und die Finanzierung gesichert war. Die Oberhäupter der jüdischen Familien in Ruppichteroth - Simon und Jakob Gärtner, Moses Hess, Abraham Isaak, Jakob Nathan, Friedrich Marx und Moritz Regensburger - baten daher am 7. Juli 1920 den Ruppichterother Bürgermeister ein diesbezügliches Schreiben an den Landrat zu senden:
"Ein Bedürfnis zum Bau einer Synagoge in Ruppichteroth muß wohl anerkannt werden. Die nächstgelegenen Synagogen sind in Nümbrecht (12 km Entfernung), in Eitorf (14 km Entfernung) und in Geistingen (22 km Entfernung). Die israelitische Gemeinde in Ruppichteroth zählt 56 Personen. Bisher nutzten die Israeliten ein Zimmer, welches in einer Privatwohnung gemietet worden war, zu ihrem Betsaal. Dieses Zimmer reichte jedoch für diese Gläubigenzahl nicht mehr aus, und ist die  israelitische Gemeinde zum Baue einer Synagoge gezwungen.(sic)
Die Baukosten werden nach Angabe des Vorsitzenden der Synagogengemeinde wie folgt aufgebracht:
a) 3/5tel der Bausumme werden direkt in bar von den Gläubigen der israelitischen Gemeinde aufgebracht;
b) 2/5tel der Bausumme sollen im Wege der Anleihe aufgebracht werden."

„Am 18. September 1920 wurde von der Regierung die Erlaubnis erteilt, in Ruppichteroth auf Flur 13, Parzelle 626/205 nach den Bauplänen des Architekten Wilhelm Heuser aus Siegburg eine Synagoge zu errichten, ..." 
   Zitiert nach: Karl Schröder, Die Juden in Eitorf und Ruppichteroth, 1974 sowie Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Abt.2, Frau M.A. Berg, Anlage zum Schreiben vom 15.3.1989 an die Gemeindeverwaltung Ruppichteroth

Grundsteinlegung am 5.8.1920

Textabschrift:
„Ruppichteroth. Am Donnerstag nach Sabbat Nachmu* fand in Ruppichteroth die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge statt. Die kleine Gemeinde hatte alle Vorbereitungen getroffen, um diesen Tag zu einem Festtage zu gestalten. Gegen 11 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Gemeinde, viele aus den Nachbargemeinden, sowie die Vertreter der katholischen Geistlichkeit und der Behörde auf dem Platze. Lehrer Seelig aus Siegburg hielt die Festrede, welche auf die Anwesenden einen sichtbaren Eindruck machte. Hierauf sprach der katholische Pfarrer und wies auf das schöne friedliche Zusammenleben der Bewohner hin und wünschte der Gemeinde Glück zu dem Werke. Als Vertreter des Zentralvereins richtete Herr Levy Honnef Worte des Glückwunsches an die Anwesenden. Schließlich sprach der Ortsvorsteher einige wenige, aber herzliche Worte zum glücklichen Gedeihen des Werkes."
Anm.*: „Der erwähnte Schabbat Nachmu ist der Sabbat nach dem 9. Aw. Der 9. Aw war 1920 laut Jüdischem Boten von Rhein der 24. Juli, der entsprechende Festtag also der 31. Juli  Der Tag der Grundsteinlegung muss also Donnerstag, der 5. August 1920, gewesen sein." Vielen Dank an Herrn Frederik Grundmeier für diese Information.
Quelle: Jüdischer Bote vom Rhein vom 20.8.1920

Einweihung der Synagoge am 1.7.1921

Textabschrift:
„Ruppichteroth (Rhld), (Synagogen-Einweihung). Nach einjähriger Bauzeit war es der hiesigen kleinen Gemeinde vergönnt, die unter Aufwendung großer Mittel errichtete Synagoge einweihen zu können. Von nah und fern waren Glaubensgenossen herbeigeeilt, mit uns den Ehrentag der Gemeinde festlich zu begehen. Am Freitagabend wurden die Ritualien aus der alten in die neue Synagoge gebracht. Ein Vertreter der Gemeinde überreichte den Schlüssel mit herzlichen Worten, in denen er das gute Einvernehmen der drei Konfessionen in unserem kleinen Ort hervorhob, und in denen er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die schmutzige Welle des Antisemitismus, wie seither auch fernerhin nicht die Eintracht unsereres Ortes stören möge. Die Vertreter der evangelischen und katholischen Gemeinde überbrachten die Glückwünsche der christlichen Mitbürger und hoben die Opferwilligkeit und Hilfsbereitschaft der jüdischen Gemeindemitglieder hervor. Am Samstag fand ein Festgottesdienst mit Herrn Rabb. Dr. Kober, Köln, unter Leitung des Herrn Lehrer Selig, Siegburg statt. Verschönt wurde die Feier durch religiöse Gesänge des Synagogenchors Siegburg unter Leitung des Herrn Musikmeisters Klemper und des Herrn Opersängers Lenz aus Köln. Der Samstag und Sonntag Abend führte die Teilnehmer und die Bewohner von Ruppichteroth zu einem harmonisch verlaufenen Ball zusammen. Allgemein fiel den Teilnehmern die innige Anteilnahme aller Bürger, die Straßen und Häuser festlich geschmückt hatten, auf. Hoffen wir, daß die Worte des Herrn Rabb. Dr. Kober, daß das Gotteshaus eine Heimstätte echten Judentums werde sich ebenso bewahrheiten wie die Worte des Vertreters der weltlichen Behörde, welcher wünschte, daß ihm Gutes entströme zum Wohle des ganzen Ortes."

Vielen Dank an Herrn Frederik Grundmeier (LVR), der durch seine Recherchen entscheidend zu den oben angeführten Erkenntnissen beigetragen hat. 

Die Synagoge im Jahre 1921